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Bei ausreichend hohen Niederschlägen, und das ist im Vogelsberg der Fall, bildet der Wald die kräftigste Pflanzengemeinschaft. Geschlossener Wald schafft relativ tiefgründigen Boden, begrenzt aber den grünen Bodenbewuchs durch Lichtmangel. Im reinen Nadelwald herrschen ganzjährig ungünstige Lichtverhältnisse vor, dazu kommt ein hoher Säuregehalt des Bodens, so dass hier nur wenige Wildblumen gedeihen. Noch krassere blumenfeindliche Verhältnisse schaffen die Fichtenmonokulturen unserer Wirtschafts- forste, da ihre Bestände nicht nur Artgleich, sondern auch gleich alt sind. Laub- und Mischwald begünstigen Frühjahrsblüher, die sich im Windschutz der Bäume unmittelbar nach der Schneeschmelze entfalten und noch vor dem Austrieb des Blätterschirms zur Blüte kommen. Wo der geschlossene Wald unterbrochen wird, kann sich die Artenfülle der Wildblumen vergrößern.

Hummelschwärmer und Ehrenpreis
Die größten Breschen im europäischen Urwald schlug der Mensch durch seine Besiedlung, durch Ackerbau und Weidewirtschaft. Er begünstigte durch die reich gegliederte Kulturlandschaft viele Wildpflanzen und Wildtiere, so dass die Wildblumenflora Mitteleuropas durch den Menschen zunächst eine Artenberei- cherung erfuhr. Auch die später entstandenen Mähwiesen waren anfangs künstliche Biotope mit artenreichen natürlichen Pflanzen- gemeinschaften. Intensivnutzung aber mit hohen Düngergaben, die jährlich drei Schnitte und mehr ermöglichen, brachten eine Artenverarmung, die ihrerseits eine Ausdünnung der Tiergemein- schaften auf Wiesen, vor allem der Schmetterlinge, verursachte. Der Vergrößerung zusammenhängender Wirtschaftsflächen fielen und fallen zahlreiche Feldgehölze, Hecken und Gebüsche mit ihren Kleinbiotopen zum Opfer, die im engsten Umkreis der Bäume und Sträucher keine Mahd erführen und deshalb als Vermehrungsinseln für zahlreiche Blütenpflanzen wirkten.

Dickkopf-Falter und Heide-Nelke
Ein ganzes Bündel moderner Lebensräume konnte sich dagegen in unserem Jahrhundert ständig ausbreiten: die so genannten Ruderalfluren. Man verbindet mit diesem Begriff unterschiedlichste Pflanzen, die jene Fluren, Plätze und Plätzchen besiedeln, die der Mensch für länger oder vorübergehend übrig gelassen, nicht bebaut und nicht als Kultur bearbeitet hat: Feldwege, Weg- und Straßenränder, Bahndämme, Müll- und Schutthalden etc. Auf diesen wachsen uneinheitliche Pflanzengemeinschaften, meist wegen dem unterschiedlichen Nährstoff- und ungeregelten Wasser- angebot solche, die schnell ihre Blütenpracht entfalten und schnell zur Samenreife kommen.

Schachbrett-Schmetterling und Witwenblume
Wildblumen sind oft standortempfindliche Pflanzen. Sie können nicht ausweichen, wenn ihr Lebensraum eingeengt, verändert oder zerstört wird. Hinzu kommt, dass Wildblumen kein Wirtschaftsfaktor sind. Als immer mehr Arten ausstarben und die Gefährdung vieler weiterer nicht mehr zu übersehen war, ging man daran, Schutzgesetze zu erlassen. Aber erst in jüngster Zeit schuf man mit umfassenden Bestandsaufnahmen die Grundlagen dafür. So enthält die "Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen für Deutschland" inzwischen rund 60 ausgestorbene oder verschollene Arten, 160 vom Aussterben bedrohte Arten, 180 stark gefährdete Arten, 220 gefährdete Arten und weitere 200 potenziell gefährdete Arten. Diese zusammen 840 Arten machen fast ein Drittel der in Deutschland heimischen Arten aus. - Behaupte hier keiner, dass die Natur nicht unsere Fürsorge braucht!
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